Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich wurde als einzige deutsche Designerin zur Mercedes-Benz Fashion Week in Baku, Aserbaidschan (Teppichmuseum) eingeladen. Meine Kollektion Sacral
Punk verbindet christliche und muslimische Bildwelten miteinander: Kreuze, Madonnen, verhüllte Köpfe, Kopftücher und textile Motive des Kaukasus.
Sie ist ein bewusst gewählter Dialog zwischen Religionen, Identitäten und ästhetischen Widersprüchen.
In Aserbaidschan wurden alle christlichen Motive akzeptiert. Kreuze auf Kimonos. Madonnen. Sakrale Ikonografie. All diese Werke waren öffentlich sichtbar.
Doch ein Kimono, der die Flaggen Georgiens, Armeniens und Aserbaidschans vereinte, wurde ohne Rücksprache hinter meinem Rücken aus der Ausstellung entfernt. Der
Kimono ist eine Reminiszenz an meine vergangene Reise durch alle drei Länder im Sommer 2025, von der ich Stoffe mitbrachte.
Übrigens ist das die Essenz meiner Marke PAULINA'S FRIENDS: das Mitbringen von Stoffschätzen aus allen bereisten Ländern der Welt – bisher 70 – als Andenken an die Kultur, an
Traditionen und als Wunsch, die lokale Wirtschaft der Länder zu unterstützen. Ein Weltcouture-Erbe in Stoffen, das ich in Koffern durch die Weltgeschichte schleppe.
Zurück zum Vorfall: Es folgten Anrufe vom Kulturministerium und deutliche Hinweise bzw. Verbote, dass dieses Werk nicht gezeigt werden dürfe. Sonst hätten Beteiligte ihre
Jobs verloren, bzw. wäre die Polizei sofort gekommen und hätte das ganze Event direkt boykottiert. Dieser Eingriff geschah in einem Land, das sich fortschrittlich und weltoffen
präsentiert, während die politische Lage zwischen Armenien und Aserbaidschan weiterhin hochsensibel bleibt.
Der Vorfall wirft die Frage auf, warum religiöse Kunst erlaubt war, politische Kunst aber nicht.
Warum Kreuze akzeptiert werden, aber ein textiles Symbol für kulturelle Verbindung nicht.
Und warum eine deutsche Designerin mit Migrationshintergrund, die ausdrücklich für kulturellen Dialog und Frieden steht – Werte, die Mercedes-Benz als deutscher Konzern ebenfalls
vertritt – mit Einschränkungen ihrer künstlerischen Freiheit konfrontiert wird. Übrigens arbeite ich seit 2020 mit Mercedes Benz zusammen: https://www.instagram.com/p/CGNpf5cBX2G/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=NTc4MTIwNjQ2YQ==
Die Situation berührt grundlegende Fragen der Menschenrechte. Sie betrifft Rede- und Kunstfreiheit.
Sie betrifft die Verantwortung internationaler Kulturinstitutionen im Umgang mit politisch sensiblen Themen. Und sie zeigt, wie schnell Kunst im Spannungsfeld geopolitischer
Interessen instrumentalisiert oder unterdrückt wird.
Ich respektiere die kulturellen und historischen Empfindlichkeiten der Region. Doch ich stehe als europäische, ja deutsche Künstlerin für Werte, die unteilbar sind: Freiheit
der Kunst, Achtung von Vielfalt und das Recht, Themen sichtbar zu machen, die noch Wunden tragen. Diese Werte sollen Brücken bauen – genau dort, wo konfliktreiche Vergangenheit oder
politische Spannungen existieren. Der Vorfall in Baku steht exemplarisch für einen kulturpolitischen Widerspruch: Ein Land, das internationale Top-Events nutzt, um Modernität zu
zeigen, greift zugleich in die künstlerische Darstellung einer friedlichen Vision ein.
Eine Vision, die im Kaukasus vielleicht dringender gebraucht wird als anderswo.
Ich lade die Presse dazu ein, diesen Fall einzuordnen und öffentlich darüber zu sprechen, wie Kunstfreiheit im internationalen Raum geschützt werden kann. Wie europäische
Künstlerinnen verantwortungsvoll wirken können, ohne ihre Arbeit politischem Druck unterordnen zu müssen.
Und warum kultureller Dialog besonders dort stattfinden sollte, wo Grenzen und Konflikte bis heute nachwirken. Kunst schafft Räume. Auch dort, wo Politik sie schließt. Und genau
deshalb müssen wir über solche Eingriffe sprechen.
Gern stelle ich Ihnen weitere Informationen zur Verfügung, wie Material von meiner Runway-Show.
Im Anhang einige Fotos vom Kimono, getragen von meiner Kundin Lena Schelest, die eines der Models auf der Show war: https://www.youtube.com/shorts/T5ttua86jRk
Durch die Integration „normaler“, natürlich-diverser Frauen, also keine Profi-Models, in meinen Shows stelle ich Schönheitsideale und Stereotypen der Modeindustrie in Frage,
humanisiere und demokratisiere diese. Mehr dazu hier: https://www.paulinasfriends.com/fashion-weeks-role-models/



